Hall Art Foundation
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Torkwase Dyson
Eröffnung am 3. September 2021

Am 3. September 2021 eröffnet die Hall Art Foundation eine Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson im Museum auf Schloss Derneburg. In ihren Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen erkundet Torkwase Dyson den Zusammenhang zwischen Körperbewegungen, Geographie und Architektur mit Fokus darauf, wie Schwarze und Braune Menschen Raum wahrnehmen und verhandeln. Die ausgestellten Werke stammen ausschließlich aus dem Fundus der Hall Collection. In der bisher größten Ausstellung ihrer Werke in Europa wird eine Auswahl an Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen gezeigt, die Dyson im Laufe der letzten fünf Jahre geschaffen hat.

 

Versammelt im Rittersaal zeigen die Werke einen Überblick über Dysons Vorstellung von Abstraktion, insbesondere ihre Fixierung auf Fließendes und Wasser als Grundlage ihrer Arbeiten. Inspiriert von Geographie, Kartographie und Architekturtheorie erforscht Dyson mit ihren Formen, Linien und Ebenen die bauliche Umgebung, welche die Erfahrungen der Schwarzen Bevölkerung in den USA geprägt hat. In ihrem gesamten Werk arbeitet sie mit einem Vokabular an Formen und Gesten, das auf ihrer Theorie des Black Compositional Thought, des Schwarzen kompositorischen Denkens, basiert. Für Dyson stehen die geometrischen Grundformen wie Quadrat, Kurve und Dreieck in Beziehung zur Geschichte der räumlichen Befreiung der Schwarzen Bevölkerung.

 

Im Zentrum der Ausstellung steht Tuning (Hypershape, 311-520) (2018), eine Installation aus zweihundert kleinformatigen Zeichnungen. Sie bringt das bildsprachliche und philosophische Fundament ihrer Arbeit in einer Installation zusammen und wird hier im Dialog mit Dysons Skulptureninstallation Black Shoreline (2019) und dem Monumentaldyptichon I Can Feel You Now (Accumulation/Distribution) (2018) präsentiert. Dyson nutzt ihre Installation als eine Art Nachschlagewerk für die Neudefinition traditioneller Formen der nicht-narrativen Abstraktion.

 

Außerdem zeigt die Ausstellung eine Reihe von Dysons atmosphärischen Gemälden, wie etwa My Mind is Clear of Fear (2016). In mehreren, ineinander verlaufenden Schichten Acrylfarbe sind die Flächen und weißen Linien in Dysons Gemälden an bekannte geometrische Formen angelehnt und erinnern an die Schiffsrümpfe, in denen einst Sklaven über den Atlantik transportiert wurden. Anhand dieser Formen befasst sich Dyson mit Infrastrukturen der Macht, wie sie bei Rassentrennung, Vertreibung, wirtschaftlicher Ausbeutung und Migration zum Tragen kamen, sowie mit der Frage, wie architektonische Räume zur räumlichen Befreiung der Schwarzen beigetragen haben.

 

In diesem Sinne sind die drei kantigen, glänzend schwarzen Acryl-Skulpturen in Black Shoreline (2019) Teil einer Werkgruppe, die an den „Roten Sommer” 1919 erinnern soll, eine Zeit besonders brutaler Rassengewalt in den USA. Unter anderem eskalierten damals rassisch motivierte Konflikte, als fünf Schwarze Teenager mit einem Floß auf dem Lake Michigan versehentlich die unsichtbare Grenze zum Strandabschnitt für die weiße Bevölkerung überquerten. Ein weißer Junge begann, Steine zu werfen, und traf einen der Schwarzen Jugendlichen am Kopf, der daraufhin ertrank. Für Dyson steht Black Shoreline symbolisch für die interstitiellen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen, die an jenem Tag durch die Jungen auf dem Floß deutlich wurden.

 

Torkwase Dyson wurde 1973 in Chicago, Illinois, geboren. Ihren Bachelor of Arts legte sie am Tougaloo College in Mississippi ab. Weiterhin schloss sie 1999 einen Bachelor of Fine Arts an der Virginia Commonwealth University in Richmond, Virginia, ab und erlangte im Jahr 2003 einen Master of Fine Arts der Yale University. Einzelausstellungen ihrer Arbeiten wurden bereits in zahlreichen amerikanischen Museen gezeigt, darunter im New Orleans Museum of Art, in der Arthur Ross Architecture Gallery der Columbia University in New York, in der Houghton Gallery des Cooper Union College in New York, in der Graham Foundation for Advanced Studies in the Fine Arts in Chicago, in der Usdan Gallery des Bennington College in Vermont, im Colby College Museum of Art, im Franconia Sculpture Park in Maine sowie im Schuylkill Center for Environmental Education in Philadelphia, neben vielen Weiteren. Dyson ist Preisträgerin des Anonymous Was A Woman Award, des Joyce Alexander Wein Artist Prize, des Joan Mitchell Painters and Sculptors Grant, des Nancy Graves Grant for Visual Artists, der Lunder Institute of American Art Fellowship, der Spelman College Art Fellowship, des Brooklyn Arts Council Grant, des Barry-Cohen-Stipendiums der Yale University, der Yale University Paul Harper Residency im Vermont Studio Center, der Culture Push Fellowship for Utopian Practices, der FSP/Jerome Fellowship. Außerdem ist sie Yaddo-Stipendiatin. Derzeit lebt und arbeitet Dyson in Beacon und Newburgh im Bundesstaat New York.

 

Diese Ausstellung wird begleitet von Texten der Künstlerin sowie einer Gesprächsaufzeichnung mit Arthur Jafa und Mabel O. Wilson in einer deutschen Übersetzung.

 

 

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Torkwase Dyson
Tuning (Hypershape, 311-520), 2018 (detail)
(200 sheets), Gouache, ink and pen on paper
Each: 12 x 9 in. (30 x 23 cm)
Hall Collection
© the artist

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Torkwase Dyson,
I Can Feel You Now (Accumulation/Distribution), 2018
Acrylic on canvas
12’ x 10’9’’ (375 x 610 cm)
Hall Collection
© the artist

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Torkwase Dyson
Black Shoreline, 2019
Plexiglas, three sculptures
35 1/2 x 47 1/2 x 24 1/2 in.;
47 1/2 x 47 1/2 x 30 1/4 in.;
59 1/2 x 47 1/2 x 36 in.
Hall Collection
© the artist